Bahnhof Ilshofen: Umbau schreitet voran

08.11.2017

Ein Bahnhof wird neu geboren

In sechs bis zwölf Monaten soll der Bahnhof in Eckartshausen wieder so aussehen, wie vor 150 Jahren und dabei modernste Wohnstandards erfüllen. Dafür wird Detailarbeit geleistet.

Die Kassettendecke und zwei aufwändig gestaltete, eiserne Jugenstilsäulen sorgen für besondere Atmosphäre: In der ehemaligen Schalterhalle des Eckhartshausener Bahnhofs soll ein Bistro eingerichtet werden.  Foto:  Beatrice Schnelle

Wenn einer einen Bahnhof umbaut, dann kann er was erzählen: Seit Mai 2015 hat ein Unternehmerehepaar aus Ilshofen mit dem ehemaligen Gebäude der Deutschen Bundesbahn in Eckartshausen ein ganz besonderes Projekt am Wickel. „Andere spielen in ihrer Freizeit Golf, und wir machen eben sowas“, sagt der Eigentümer, der von Beruf Bauingenieur ist.

Was er und seine Frau da tun, muss man schon richtig wollen. Fast 30 Jahre war der Jugendstilbahnhof dem Verfall preisgegeben. Der Bau steht unter Denkmalschutz, und dessen Auflagen sind mit Energieeinsparverordnung und Brandschutzvorschriften unter einen Hut, besser: unter ein Dach zu bringen. Ständige Planungsänderungen gehören folglich dazu. Diese Hürden sind genommen: Am Ende, so ist jetzt absehbar, wird das geschichtsträchtige Gebäude wieder fast so aussehen, wie bei seiner Eröffnung im Jahr 1867.

80 schalldichte Fenster

Anhand eines alten Fotos stellte man fest, dass die Originalfenster in den 50er-Jahren teilweise ausgetauscht worden waren. Die neuen Eichenholzfenster sind nun Spezialanfertigungen gemäß des ursprünglichen optischen Erscheinungsbildes und zugleich EnEV-tauglich. Zwei historische Fenster im Erdgeschoss werden saniert und von innen mit Funktionsfenstern abgedichtet. Die drei Stockwerke haben rund 80 Fenster aufzuweisen, die alle schallgeschützt sein müssen, da an ihnen täglich mehrere Dutzend Züge Richtung Crailsheim, Heilbronn, Stuttgart und Nürnberg vorbeirauschen. Regionalzüge halten in Eckartshausen noch an.

Der Austausch von 1800, teils durch Kriegsschäden ramponierten Steinen der Fassade ist in vollem Gange. Weil der ehemalige Ilshofener Steinbruch „Steinbächle“, aus dem das Material vor rund 150 Jahren geholt wurde, stillgelegt ist, kommt nun Heilbronner Sandstein zum Einsatz. Damit die Profile an den Fensterbänken zur denkmalgeschützten Fassade passen, formt ein Handwerker die entsprechenden Steinplatten in mühevoller Kleinarbeit mit Hammer und Meißel.

Stuckdecken freigelegt

Im Inneren haben die neuen Besitzer wunderschöne Stuckdecken freigelegt, schwarze Farbe von der prachtvollen Kassettendecke in der ehemaligen Bahnhofswirtschaft gelöst, Fliesen, Holzparkett und Türen restauriert. Über den Portalen in der ehemaligen Bahnhofshalle fanden sie wunderschöne Oberlichtfenster, die man irgendwann eingemauert hatte. Die hochkomplizierte Frage der vorgeschriebenen Fluchtwege ist mittlerweile durch den Einbau eines zweiten Treppenhauses gelöst.

So gut wie fertiggestellt sind die acht Wohnungen in den oberen zwei Stockwerken. In der guten, alten Zeit waren hier die Bahnangestellten und ihr Bahnhofsdirektor zuhause. Die Eigentümer wollen die Räume ihren Mitarbeitern zur Verfügung stellen sowie als Boarding-Appartements vermieten. Vom Erdgeschoss sollen alle Bewohner der Stadt etwas haben: Hier wird ein Bistro entstehen. „Im Ort sind die Gaststätten verschwunden und wir wollen, dass die Vereine und Stammtisch-Gesellschaften wieder einen gemütlichen Platz in Ilshofen haben, an dem sie sich treffen können.“

Schuppen als nächstes Projekt

Beheizt wird der etwa zehn Meter hohe Bahnhof mit seinen rund 600 Quadratmetern Fläche über eine Pellet-Anlage, die zusammen mit der übrigen Haustechnik in einem unterirdischen Raum neben dem Bahnhofsgebäude unterkommt.

Natürlich ist das ganze Projekt nicht gerade billig. Doch für die Bauherren haben Objekte wie der alte Bahnhof einen hohen, ideellen Wert: „Dieses Bauwerk ist lebendig, und wir finden es wichtig, dass es wieder genutzt wird und weiterlebt.“ An dem neugeborenen Schmuckkästlein hätten noch einige Nachfolgegenerationen ihre Freude. Weil dem Ehepaar das alles soviel Spaß macht, ist auch schon das nächste Projekt in Sichtweite: Nachdem der Bahnhof Mitte bis Ende 2018 eingeweiht ist, kommt der wenige Meter entfernte Lagerschuppen an die Reihe, der als schicke Event-Scheune wiederauferstehen soll.

Quelle: SWP/Hohenloher Tagblatt 08.11.2017

Zurück